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Umbau und Sanierung der Bestehornschen Villa

Objektbeschreibung

Das Einzeldenkmal "Bestehornstraße 4", die sogenannte "Bestehornsche Villa" an der Herrenbreite liegt im Sanierungsgebiet unweit vom Stadtzentrum gelegen, war eine Villa des Papierfabrikanten Heinrich-Christian Bestehorn. Der repräsentative langgestreckte Putzbau im Stil "Hellenistischer Renaissance" wurde 1874-1875 erbaut.Das Grundstück wurde straßenseitig eingefriedet mit einem bemerkenswerten schmiedeeisernen Geländer, welches auf einer Graniteinfassung errichtet wurde. Im Jahre 1905 erfolgte ein fast stilgleicher größerer Erweiterungsbau. Dieser Teil wird aber nicht weiter betrachtet und ist seit 1993 ungenutzt.

Bestehornsche Villa - Alt

Ansichten des Hauses vor der Sanierung

Bestehornsche Villa - Alt

In den Nutzungsjahren nach 1945 verkam die Villa und es wurden nur notdürftige Reparaturen oder Sanierungsarbeiten durchgeführt. So wurde unter anderem der im Erdgeschoss befindliche kleine halbrunde Balkon abgerissen. Der Balkon im Obergeschoss straßenseitig war nicht mehr begehbar und das Gitter wurde entfernt. Eine ehemalige Terrasse im Obergeschoss an der Westseite des Gebäudes wurde komplett abgetragen und als Flachdach ausgeführt. Auf den Dächern wurde der Schiefer entfernt. Der Geison wurde durch Dachverlängerung verkleidet, damit verschwand das hellenistisch klassizistisch geprägte Bild des Dachaufbaus. Des weiteren wurden die Akroterien und Großteile der ehemaligen Schornsteine entfernt und ein zusätzlicher, nicht dem Baustil entsprechender Schonstein zur Braunkohlenverbrennung wurde eingezogen. Der im Osten des Gebäudes befindliche baugleiche Anbau hat, wie auch bereits oben beschrieben ähnliche Veränderung erfahren. Das Haus ist jedoch auf Grund seines jüngeren Datums äußerlich nicht so geschädigt, wie die jetzt frisch sanierente Villa Bestehornstraße 4.

Westansicht-alt

Eine wesentliche Aufgabenstellung für die Sanierung des Objektes bestand im Erhalt der Fassade und des Daches, unter maximaler Beibehaltung der ursprünglichen Substanz. Zum Leidwesen des Auftraggebers sowie auch des Architekten wurden für tiefgreifende vorbereitende technische Substanzuntersuchungen keine finanziellen Mittel bereitgestellt, so das während der Bauphase teilweise immer wieder neue Schadensbilder zu tage traten, die im vorhinein optisch nicht zu erkennen waren, jedoch mit einer bautechnischen Untersuchung hätten erkennbar sein können.


Ziergiebel

Alte Fassade

Südgiebel


Unter anderem waren dies Karbonatisierungstiefe von Betonzierelementen, Bruchsteinmauerwerk der Kelleraußenwände, echter Hausschwammbefall im Bereich des Überganges von den aneinandergrenzenden Gebäuden - ausgehend vom Nachbarhaus, Wasserschäden an der Schalung unterhalb der Dachdeckung, vollständig zersetzte Holzbalken in den Außenwänden etc. Weiterhin fehlte zu Beginn der Sanierung die Aufstellung einer Nutzerkonzeption. Nach Feststellung des Nutzers, also nach Vergabe von Bauleistungen wurden auch zusätzliche Arbeiten im Innenbereich, an der Dachkonstruktion und bestehender tragender Bausubstanz notwendig.


Hausschwamm

Hausschwamm


Auf Grund des guten Zustandes des Betonstucks an der Fassade wurde dieser einschließlich der Holzrollläden an den Fenstern im Originalzustand belassen. Auch im Inneren wurde wesentlich der Originalzustand an den wichtigsten Bauteilen wie Türen und Decken beibehalten, jedoch waren auch hier die Umbauspuren der Jahrzehnte nicht spurlos vorbei gegangen.

Die Sanierung des Objektes erstreckte sich erst einmal grundsätzlich nur auf die Außenfassade, wobei hier verlorengegangene bzw. zerstörte Elemente wieder hergerichtet werden sollten. Es wurde dabei versucht, die einzelnen Objekte nach historischem Vorbild (Foto aus dem Jahre um 1920) zu rekonstruieren. Nach gemeinsamer Zusammenarbeit mit einem Steinmetzbetrieb wurden dann die Firstobelisken und die Eckakroterien entwickelt und aufgesetzt. Hierbei wurde ein heller mittelfester Sandstein ausgewählt, der im wesentlichen den Festigkeitswerten und der Beschaffenheit der damaligen Zeit nahe kam.

obelisk

Eckakroterien

Nach dem Einrüsten und der Abnahme von Dachflächen wurden Schadensbilder immer mehr deutlich. So war unter anderem der Betonputzbau am südlichen Giebeldreieck am Schrägsima und am Geison stark geschädigt. Hier löste sich der bestehende aufgetragene Betonmörtel am Geison und das Kranzgesims drohte abzustürzen. Insbesondere waren am Südgiebel, der durch Sonneneinstrahlung bzw. Witterung beeinträchtigt wurde, die am stärksten geschädigten Bereiche. Dies war überwiegend an auskragenden Teilen festzustellen. Hier wurden an den noch vorhandenen Originalen Prüfungen der Karbonatisierung durchgeführt.

Dachschäden

Dachschäden

Das Schrägsima aus Beton ist an dem Nordgiebel und dem Südgiebel in ähnlicher Art geschädigt gewesen. Auch hier wurde dies erst nach Abnahme der alten Dachdeckung sichtbar. Die Dachdeckung wurde auf Giebelmauerbreite zurückgeschnitten, so dass der hellenistisch klassizistische Giebel wieder in seiner alten Pracht und seinem Glanz erstrahlen konnte, ohne das Elemente von Dachdeckung diesen stören. Als Dachdeckung wurde eine Altdeutsche Doppeldeckung mit Thüringer Schiefer nach Vorgaben der Denkmalpflege gewählt. Diese Deckung stellt die hohe Kunst des Schieferhandwerkes überhaupt dar, obwohl sie nicht zur Gestaltung des Gebäudes im Einklang steht. Hier wäre wohl eine Spitzwinkeldeckung besser angebracht. Die Fenster wurden nach historischem Vorbild erneuert. Dabei kam es bei der Gestaltung insgesamt auf die kleinsten Details an. Diese Details wurden maßgenau abgenommen und fototechnisch dokumentiert. Um der historischen Oberflächengestaltung am nächsten zu kommen, wurde die Kiefernart Pinie-Radiata gewählt, die mit einem fast deckenden Lasuranstrich versehen wurde und so dem Ursprünglichem sehr nahe kam.


OG-Terrasse


Mit feststehender Nutzung des Gebäudes als Grundschule mussten auch die Bestimmungen der Schulbaurichtlinie eingehalten werden. Das war eine große Herausforderung in der Gestaltung des Gebäudes an der OG- Terrasse, besonders an der Terrassenumwehrung. Hier mussten behördliche Regelungen und neuzeitliche Bemessungsvorschriften mit der historischen Vorbildsuche und Farbkonzeption in Einklang gebracht werden.

Ansichten des Hauses nach der Sanierung


Mit viel handwerklichem Können und Engagement unseres Büros entstand mit dem Objekt ein Werk, dass sich jetzt wieder gut in das Stadtbild einfügt und eine Bereicherung des historischen Gebäudeensembles an der Herrenbreite in Aschersleben darstellt.